Es wird gleich besser
(Blumwiese)
–
04:18 Uhr
So ein Fleecepulloverwetter
So ein Himmelgemisch
Kein Regen keine Sonne
Aber doch ganz schön frisch
Zieh dich warm an
Aber nicht zu sehr
Ein Schmelz- oder Kipppunkt
Aber nur ungefähr
Du fängst an zu schwitzen
In der scheiße Natur
Das Shirt klebt am Rücken
Die ganz kurze Zündschnur
Deine Krise ist nah
Die Krise ist da
Und Sommer für Sommer schieben sich die Flutmassen
Durch die Straßen und die Häusergassen
Mitreißend und tragisch
Bekämpfen jede Statik
Selbst das Bohren der dicksten Bretter
Lässt dich hier im Stich
Und alle Reden übers Wetter
ganz unschuldig und wundern sich
Es war 04:18 Uhr als der Damm brach
Das Wasser sich mitten im Schlaf durch Kellerfenster fraß
Das Erdgeschoss flutete und verwüstete
Gegen ein grade so angespartes Leben wütete
Der Regen war zwar heftig
Aber damit hatte keiner gerechnet
Zumindest nicht wirklich, nicht hier
Das passiert doch anderen – aber nicht mir
Und jetzt tut es allen leid
„Hilfe – Feuerwehr und Polizei?“
Jeder noch so gute Vorsatz
Lässt dich hier im Stich
Denn alle reden übers Wetter
ganz unschuldig und wundern sich
Ich wunder mich ganz unschuldig
Muskelgedächtnis
Im Lärm der Erkenntnis
Werden Worte zu Blei
Jeder Treffer versenkt
Eine Sprache stirbt
Nur noch Null oder Eins
Ein Hoch auf den Einsturz
Der alles ins Wanken bringt
Nichts bleibt wie es war
Und jeder Zweifel ertrinkt
Ein Prozess
Und dir geht langsam auf
Hier gibt es nichts zu gewinnen
Doch du bekommst weiter Applaus
Alles steht vor dem Einsturz
Der einen ins Wanken bringt
Du selbst verhärtet und starr
Weil jeder Zweifel ertrinkt
Dolomiti
Kein Gefühl mehr in den Fingern
Die Maschine macht dich roh
Musst du dich selber zwingen
Oder tun die Umstände das schon
Knöpfedrücken leicht gemacht
Nicht nur du stehst unter Strom
Augen schmerzen schon vom Starren
Ein Körper schlaff und regungslos
Musst du dich selber zwingen
Oder tun die Umstände das schon
Sag mir wie schützt du dich selbst
Tu dir den Gefallen und spiel bloß nicht den Held
Arno Dübel ging wie ein langer Tag
Immer noch zu früh
Am Ende bleibt die Frage
wer hier wen betrügt
Du verschachtelst deine Sätze
umwickelt mit Geschenkpapier
Gehortete Gedanken
Jedes Wort ein Souvenir
„Divergent, im Geiste Schwestern“
Denkst du und stehst neben dir
Du fühlst dich unnütz wie Konfetti
Wie ein Sandstrand im Getriebe
An dem ich mit Dolomiti
einen ganzen Sommer liege
Ein Leben – kein Businessplan
Ein umständlicher Akt
Triff den falschen Ton
Änder’ den Takt
Umarella
Ein cholerisches Keifen
Kontrolle und Wahn
Ein Großvater mit Kindern
Ein gütiger Mann
Er ist zu früh gegangen
Sie setzt die ersten Blumen
Und schaut den Grabstein an
Und die alten Damen singen im Chor
Da steigt kein Engel den Himmel empor
Und diese Gleichzeitigkeit bringt dich noch um den Verstand
Einen Kloß im Hals und einen in der Hand
Den Abwasch und das Kochen machst du jetzt für dich allein
Und das Leben auch
Du machst davon Gebrauch
Doch was ist Befreiung
Was ist hier selbst gewählt
Diese Ruhe hat dir seit Jahren hier gefehlt
Mach’s nach deinem Leben
Mach davon Gebrauch
Mach’s nach deinem Leben
Mach davon Gebrauch
Mach’s nach deinem Leben
Setz dir die Krone auf
Slalom
Eingerichtet
Und aufgeräumt
Gut gebettet
Es hat sich ausgeträumt
Trotzdem müde
Du hast den Schlaf bereut
Abgeschottet
Gegen Zweifel dicht
Nur die eigene Birne
Spendet Licht
Der Drang nach vorn
Bleibt gemeine Pflicht
Alles gar nicht so einfach
Mit Fünfzehn Fingern an der Hand
Und jeder Sieg eine Drohung
Dass du noch mehr schaffen kannst
Es ist wie Slalom fahren
Und in den Abgrund starren
Ein viel zu schmaler Grat
Mehr auf der Uhr als es Stunden gibt
Und draußen tobt der Krieg
Wenn alles Zarte flieht
Nur noch stählern wiegt
Alles gar nicht so einfach
Und du verlierst den Verstand
Doch gegen die Verrohung
Unklar wie man es schaffen kann
Drei Planeten kreisen leise
Und stumm vor sich hin
Doch in ihrer Art und Weise
Wissen sie dass sie nicht alleine sind
Schloss
Du schließt ab
Mit der Zweideutigkeit
und die Tür hinter dir fällt ins Schloss
Dabei hast du doch grade noch probiert
Sie von innen zu ölen
Von außen zu schmieren
Ihr Quietschen stört dich schon seit Jahren
Ein ständiges Stöhnen
Zittern und Frieren
Ob es noch klappt oder ob es das war
leibt da noch ein Versmaß zu regeln
Du suchst ein gefundenes Fressen
Im Spurenlegen
Wirkst dabei ziemlich versessen
Deine Finger stocken
Schlittern auf Stoppersocken
Der Funke springt über Bord
Wenn die Zeit rennt
Und die Zeilen still stehen
Im Leerlauf und Akkord
Du kommst nicht voran
Here Comes The Sun (aber als Drohung)
Da staut sich was in der Blutbahn
Pulsierend und wach liegst du da
Augenringe bis zum Mond
Ein kratertiefes Loch in deiner Brust
Er hat hier schon immer gewohnt
Und du hast es auch gewusst
Selten hat sich der Kampf gelohnt
Müde gewinnt der Frust
Die Zeit schlägt dich tot
In der zehnten Runde ausgeknockt
Die Zeit schlägt dich tot
Wie erschlagen auf dem Rücken
Untertage überbrücken
Gezeiten waren noch nie dein Ding
Und du läufst auf Grund
Messerscharf und unbrauchbar
Verschlossen und starr
Wie ein Bunker wartest du
Die Sonne lacht
Über dich
Here Comes The Sun
(Aber als Drohung)
Du gerätst aus dem Gleichgewicht
Wellenartige Verrohung
Anthrazit
Kalendersprüche drücken
Stille betäuben und reden
Zwerge auf Schultern von Riesen
Oder doch auf ihrem Rücken
Hauptsache Träume leben
Doch sie haben’s echt versucht
Was riecht denn so ist das der Selbstbetrug
Doch so geht die Erzählung the story so far
Irgendwie irre aber wahr
Das New Business Center steht in Meerbodenreuth
Haben sie dieses Gebäude jemals bereut
Ausgeblichen wirbt der Altgold-Ankauf am Gartenzaun
Anthrazit glänzt das deutsche Misstrauen
Doch sie haben’s echt versucht
Was riecht denn so ist das der Selbstbetrug
Doch so geht die Erzählung history so far
Irgendwie irre aber wahr
Wie sie sich selber bestrafen
Anstatt auszuschlafen
Anstatt die Lüge zu begraben
Anstatt einfach auzuschlafen
Trafo
Deine Antennen sind auf Anschlag
Ein Nervenkostüm überreizt
Das hier ist kein Karneval
Jedenfalls nicht für dich
Schief gewickelt mittendrin
Statt nur dabei
Der Druck lässt nach
Die Atmung verflacht
Deine Spannung fällt ab
Mit dem richtigen Draht
Und jetzt liegst du in den Kissen
Und hast grade noch gedacht
Kopf Stein und Pflaster
Und wieder offene Knie
Sie kennen nur ihr Raster
Richtig kennen tun sie dich nie
Immer charmant
Mit dem Kopf durch die Wand
Sie sagen deine Sinne seien geschärft
Ich hab Angst dass du dich selbst verletzt
Doch sie wollen immer den Vorteil
Und nicht hören dass es dir zusetzt
Du stehst auf und nimmst Anlauf
Und ich hab dich unterschätzt
Kopf
Stein
Pflaster
Für immer offene Knie
Sie kennen nur ihr Raster
Richtig kennen tun sie dich nie
Richtig kennen werd ich dich nie
Kanonen & Butter
Wir rüsten ab
Strecken die Waffen
Keine Barrikade
Keine harte Schale
Wir machen schlapp
Hissen weiße Flaggen
Geben die Deckung auf
Hier ist keine Kugel mehr im Lauf
Das F in Fliegen steht für Fallen
Sie reden über Kanonen statt Butter
Der Rest findet im Liegen auch gefallen
Willst du Schutz oder Futter
Menschen bauen Mauern
Und bedauern
Dass hinter ihnen etwas lauern
Könnte
Sie wetzen ihre Säbel
Fetzen sich in Stücke
Und setzen ihre Segel
Also nicht für dich
Sondern jeder für sich
Fühlst du dich schon eingeschworen
Fühlst du dich schon auserkoren
Hat jemand schon ein Kind verloren
But the battle raged on
Wie kann man so naiv sein
Das ist Geopolitik
Und Goliath bricht David mit zwei Fingern
das Genick
Friedenszeilen wirken nicht nur peinlich in vermeintlich friedlichen Zeiten
Also Ballern bis der Arzt kommt
Wenn dann noch was zu retten ist
Und du noch nicht weggebombt
Alles besser als der Peace-Kitsch
Gleich wird es besser
Abgekämpft und müde
Stehst du auf wackeligen Beinen
Derangiert und wütend
Es ist ok zu weinen
Du bist kein Stein
Nein
Doch wir zerteilen die Angst
Mit gewetztem Messer
Damit auch du heilen kannst
Gleich wird es besser
Im März wird es meistens schlimmer
Im Zeitalter der Gewinner
Tückisch grinst der Frühling
Eine Welt eingerichtet für die Wenigen
Doch du bist kein Stein
Nein
Doch wir zerteilen die Angst
„Der Weg zu zweit ist halb so weit“
Damit auch du heilen kannst
Doch wir zerteilen die Angst
„Der Weg zu zweit ist halb so weit“
Damit auch ich heilen kann
(„Because we need each other
We believe in one another“)
Bad Sterben (2023)
Eigenheim
zwischen halt finden und haltung zeigen
befindet sich mein bau
den weg um mich hier rauszuleiten
den kenn ich nicht genau
ein lebloser kompass
eine nadel ohne ausschlag
mit dem kopf gegen die wand
spült es mich zurück an land
und so leck ich meine wunden
ohne jeden stolz
nur notwendiges übel
ich hab‘ sie nie gewollt
vor meiner haustür tobt ein krieg
doch ich fühl mich nicht bereit
im flur beziehen sie stellung
und ich träume von zufriedenheit
diesem antriebslosen fass ohne boden
die guten geschichten sind gelogen
und so leck ich meine wunden
ohne jeden stolz
nur notwendiges übel
ich hab‘ sie nie gewollt
wie ein käfer auf dem rücken mit den beinen in der luft
gebrochen ohne krücken mit zugeschnürter brust
doch alles was ich sag
alles was ich mein
das dazwischen ist mein eigenheim
Homo Faber
erstmal 80 liter nachgetankt
jetzt können wir weitersehen
der homo faber schraubt weiter
an seinen maschinen
es thront über den baustellen dieser innenstadt
nur was sich ändert bleibt bestehen
ein presslufthammer stampft im takt
von innen frisst es dich auf
keuchend sehnst du dich nach applaus
zwischen den wahlplakaten für ein besseren leben
sind die suvs geparkt
ein autohaus voller ideen
macht sich wieder stark
die ordnung bleibt so einfach
da weiß man was man hat
gegen schmerzen helfen tabletten
schweigend schleppst du dich in grab
von innen frisst es dich auf
keuchend sehnst du dich nach applaus
du hast alles gegeben und alles gebraucht
sind es die inneren grenzen oder die äußeren zwänge
sie treiben dich in die enge
Schnauzbert
sätze wie mauern
jedes wort ist ein stein
penibel aufgeschichtet
woanders würdest du nicht so gründlich sein
doch deine stärke ist dir wichtig
führst sie ins feld ganz unbedarft
dein kampf bleibt für immer giftig
fühlst dich umstellt du hast die qual
ich will mich öffnen und demontieren
bis zur extase den weichen kern demonstrieren
‚ein indianer kennt keinen schmerz‘
ich glaub indigene völker kennen den schon
die marschrichtung bleibt rückwärts
wie der vater so der sohn
ich will mich öffnen und demontieren
bis zur extase den weichen kern demonstrieren
die fehlbarkeit monarchisch krönen
als maxime per podest erhöhen
Atacama
das ist doch alles quatsch
hör auf und spiel dich nicht so auf
streng dich lieber einmal an
und mach was man dir sagt
die tischdecke bleibt kleinkariert genauso wie die köpfe
darauf das gute porzellan und zerkochtes in den töpfen
zerkocht es in den töpfen
und bevor ich hier erfrier‘
dreh‘ ich lieber eure kreuze um
und bleibe hier allein
denn perfekt ist nur der tod
ja bevor ich hier erfrier
bleibe ich alleine
da ist mehr leben in der wüste
als in eurer kolonie
der pfarrer predigt weiter wirr-
klich geglaubt hab‘ ich dem nie
und bevor ich hier erfrier‘
dreh‘ ich lieber eure kreuze um
und bleibe hier allein
denn perfekt ist nur der tod
ja bevor ich hier erfrier
bleibe ich alleine
denn perfekt ist nur der tod
die tischdecke bleibt kleinkariert
genauso wie die köpfe
Graf Zahl
aufgestanden als ruine
im kopf brennt noch der schnaps
taub und müde schmerzen glieder
unter der lawine geht’s bergab
blicke können töten
was nicht passt wird passend gehasst
mit wurzeln schlagen
bis sie dich nicht mehr plagen
es hilft kein beten half es noch nie
sie werden unkraut jäten für immer auf knien
zwischen blumenbeeten findest du ihn
tod ihren vernichtungsfantasien
ihr glaube versetzt berge über die er noch nicht hinüber ist
den glauben und die lehre dass es immer weiter wächst
dass es sie nie mehr verlässt
als sei es ein naturgesetz
dass es immer weiter wächst
als sei es ein naturgesetz
während die schweren geschütze schießen
bäume blühen und knospen sprießen
bleibt das glashaus und der erste stein
untrennbar in wut vereint
gegen die spaten und das niedergestreckt sein
Zylinder
es ist der quälende beweis
es bleibt mein selbstverschulden
die trägheit um die ich weiß
und trotzdem werde ich sie dulden
ich trage eine rüstung
die nicht nur schützt sondern auch lähmt
das sichtfeld eingeschränkt dabei
schultern schwer wie blei
du bist verbal wenn jeder satz nur in dir denkt
du bist total wie du mich wieder einfängst
du verlängerst deinen griff und machst nicht einfach schlapp
ich will mich nicht bewegen
ich möchte nur empfangen
es war schon immer das problem
du bist triumph und untergang
und der kampf bleibt zu unbequem
du bist verbal wenn jeder satz nur in dir denkt
du bist total wie du mich wieder einfängst
du verlängerst deinen griff und machst nicht einfach schlapp
jede flucht ein scheitern und doch lehn‘ ich dankend ab
Keine Szene Machen
deine tat’s sind ja der hammer
ist die camou-hose neu
die vinylauflage ist für sammler
wie ich mich für euch freu‘
von der frage getrieben was zieh‘ ich heute an
zieh‘ ich los steh vor der bühne meinen mann
eine szene nimmt eine menge in kauf
weil sich das einfach besser verkauft
für immer lieber gildan als fair trade bedruckt
das shirt wird trotzdem teurer
wachsen muss das bruttopunkprodukt
40 stunden arbeit
am wochenende zu den shows
eine band war female fronted
doch die sängerin ´ne hoe
oder doch lieber studieren
irgendwas zum zeit schinden
saufen kiffen und straight edge
irgendwo werd‘ ich mich einklinken
hier fühl‘ ich mich wohl
hier bin ich nicht allein
zum glück darf ich teil einer jugendbewegung sein
alle super kreativ
im selbstverständnis subversiv
die frage nach ernährungsformen
sie wirkt fast naiv
hier fühl‘ ich mich wohl
hier will ich immer sein
zufrieden lauf‘ ich mit falafel in ´ner plastiktüte heim
eine szene nimmt eine menge in kauf
weil sich das einfach besser verkauft
aber hey alles cool ich will keine szene machen
es war schon immer so und dabei sollten wir es belassen
BuHa (Vorglühen)
–
…But Sterben
unruhig zucken hände
denn taktlos stolpern sätze
auf dem boden auf den ich sie setzte
und von mir stieß
sich selbst überließ
während alles aus dem ruder lief
land unter bleibt ein paradies
vielleicht ist dieser frieden nur ein wort
versprochen und gebrochen
ein wimpernschlag bis zum nächsten mord
blutig bis auf die knochen
nach außen kehren was inne wohnt
denn auch sterben muss sich lohnen
köpfe müssen rollen
und gedanken kreisen
meistens um sich selbst
wie satelliten in bewegung bleiben
nur nicht den schwung verlieren
‚ohnmacht‘ falsch buchstabieren
verbittert und allein
höre ich sie schreien
vielleicht ist dieser frieden nur ein wort
versprochen und gebrochen
ein wimpernschlag bis zum nächsten mord
blutig bis auf die knochen
sonntagabend ein tatort
gefühle längst erschossen
nach außen kehren was da noch inne wohnt
denn auch sterben muss sich lohnen
vielleicht ist dieser frieden nur ein mord
Sicher Sein
nebel kriecht
wind pfeift
ein kaltes lied
ein starkes stück
bleibt
rührt sich nicht
wirft blick zurück
schweigt
du kannst dir sicher sein
du wirst nicht sicher sein
reden sie von sicherheit
es tut mir leid
die pedale werden schneller
die mühle ist im gang
malt mühevoll die schwärze
an jede noch so kleine wand
es ist das ewige verweilen
predigt der tod in ihren zeilen
wir bleiben in bewegung
weil warten niemals gegen kälte schützt
wir bleiben in bewegung
bis uns die erschöpfung frisst
durchhalten als list
du kannst dir sicher sein (reden sie von sicherheit)
du wirst nicht sicher sein (es tut mir leid)
Jugendkanst
die gestapelten stühle und der ganze schutt
die nächste krise die ihre kinder ausspuckt
die gierigen finger und die geballten fäuste
von ewigen verlieren und maßlos enttäuschten
doch wenn die sonnenblumen wieder tief hängen
und dass die felder traurig macht
hoch die hände
ein sommer am ende
sie steht am ende da und lacht
er steht am Ende da und lacht
er gräbt sich die grube selbst
und fällt auf ihre grübchen rein
sie hält an ihren gefühlen fest
doch er lässt sie damit allein
all die grabenkämpfe und dazwischen der persönliche verlust
all die magenkrämpfe gemischt mit schmerzen in der brust
und wenn die schwalben wieder tief fliegen
vor den fenstern dieser stadt
hoch die hände
ein sommer am ende
sie haben uns noch nicht gefasst
Split (2021)
Bordstein Is The Limit
Bevor the sky the limit ist werd’ ich auf die Fresse fliegen
Meine Freunde gehen zum Sport und ich bleibe einfach liegen
Der in den Weg gelegte Bordstein lässt mich heut‘ nicht nach Hause gehen
Ich will mich nicht selbst optimieren
‚Die Welt kann mich nicht mehr verstehen‘
All die Gesichter ohne Makel
Ödnis gezeichnet und konform
Die Gespräche ohne Wert
Sie kleben zäh in meinem Ohr
Ich brauch‘ schon wieder viel zu lang um diesen Text fertig zu schreiben
Also ringe ich mit Worten und werd‘ für immer unten liegen bleiben
Und schweigen
Und das perfide daran ist es dient nur um mich zu vergleichen
Doch anstatt allen gerecht zu werden würde es mir bei dir schon reichen
All die Gesichter ohne Makel
Die Gespräche ohne Wert
Hass ich lieber als zu lieben
Oder hab ich’s nur verlernt
Oder kann ich’s nur nicht mehr
Bluten (2019)
Ein Drittel Heizöl Zwei Drittel Benzin
Bevor wir ausbrennen zünden wir uns lieber an
Haben wir uns damals geschworen
Äquivalent zu dieser Welt in der man es nicht aushält
Sind wir sonst hoffnungslos verloren
Es gab nichts mehr zu verlieren
Aber vor allem nicht zu gewinnen
Dann doch lieber ein Exempel statuieren
Als auf ewig zu funktionieren
Jetzt steh ich hier allein in lodernden Flammen
Irgendwas ist da doch noch kaputt gegangen
Es war noch nicht alles zerstört
Doch aus Asche wächst nicht zusammen
Was nicht mehr zusammengehört
Wollten wenn dann ganz hoch auf den Gipfel weil lauwarm nicht schmeckt
Bevor das Leben sich entscheidet zu gehen den selbstbestimmten Ausweg für sich entdeckt
Beim kontrollierten Scheitern Blut geleckt
Bisher weiße Westen mit Benzin und Heizöl befleckt
Man beginnt mit all den romantischen Liedern und hört mit ihnen auf
Nur wird das beginnende Dur am Ende durch Moll ausgetauscht
Weil die Tragischen oft diejenigen sind die stimmen
Nicht nur durch die Melodie kamen wir hier hin
Haben wir all diesen Wahrheiten gelauscht
‚We always loved the sad, sad Songs‘ und ich brenne langsam aus
Zu Mir
Deine Tristesse macht mich blind
Harmonie im Ausverkauf
Vereinnahmt wird das rebellierende Kind
Gibt auf
Bleibt nicht aus
In der blumenübersäten Stadt
Gibt es keinen Grund zu atmen
Kein Grund zu fahren
Ganz innig setzt sie dich Schachmatt
Doch du willst nicht fragen
Kannst nicht klagen
Und wenn sie alle freundlich sind erwarten sie Zufriedenheit
Von Wielandplatz bis Zwiebelmarkt doch mich stört die Einigkeit
Alle zusammen eingeschlafen doch jeder für sich
Reflektieren die Fassaden die strahlende Sonne blenden sie mich
Lasst eure Gleichgültigkeit links liegen
Oder werft sie in den Mülleimer zu mir
Lernt der blöde Vogel endlich fliegen
Bleibt der Fehler trotzdem hier
Das Mädchen Mit Den Öden Geschichten
Heute hab‘ ich Sie wieder getroffen
Wie jeden zweiten Dienstag in der Bahn
Das Mädchen mit den öden Geschichten
Der Versuch Sie rauszuwerfen scheitert kläglich seltsam jedes Mal
Scheitert jedes Mal
Eigentlich ist Sie nicht anders genau wie du und ich
So wie Jedermann Sie wirkt nur nicht mehr so frisch
Das Mittelmaß ihr schmaler Grat und Sie meistert ihn jeden Tag
Passt schon irgendwie als Lebensphilosophie
Doch richtig glücklich ist Sie nie
Tragödien kennt Sie keine spannend wird’s erst Samstagnacht
Wenn Sie richtig einen drauf macht im besten Club der Stadt
Engelmann rührt Sie zu Tränen und wenn die Augen schwimmen gehen
Wird Sie sich endlich aus dem Fenster lehnen
Doch morgen Früh werd ich Sie wiedersehen
Das Mädchen mit den öden Geschichten
Das Mädchen mit den öden Geschichten
Erzählt Sie werde ich ihr beipflichten
Den Teufel tun und über Sie richten
Das passt schon, das passt schon, das passt schon irgendwie
Das passt schon, das passt schon als Lebensphilosophie
Schon Wieder So Ein Trauriges Lied Das Wollt Ich Doch Gar Nicht Schreiben
Und hier drin ist immer noch alles schwarz
Vergebliches Warten auf den Befreiungsschlag
Eine Welt stürzt ein keine andere kommt nach
Mit ihr begraben liegt dein Atem wie er gute Nacht sagt
Und was du denkst das weiß ich nicht mehr
Was du sagst das hör‘ ich nicht mehr
Mit wem du bist das seh‘ ich nicht mehr
Und schon wieder so ein trauriges Lied – das wollt‘ ich doch gar nicht schreiben
Doch zwischen ‚Wir beide sind die Guten‘ und ‚Your voice in the back of my head‘
Vergehen zu oft nur wenige Minuten und Schmerz bleibt offensichtlich niemals unentdeckt
Die Geschichte so alt wie die Liebe selbst
Doch wie man sie erzählt entscheidend dafür ob sie beim zehnten Mal gefällt
Also kotzt man sich aus – Lässt dem Stift freien Lauf
Nur am Ende die Einsicht zu teilen
Wer schön schreiben will muss leiden – Rosen gebettetes meiden
Und nirgendwo zu lange verweilen
Gelangweilt vom nichts tun
Hauptsache ausruhen
Und ‚Von wegen‘ dreht noch ’ne Runde
Und ich denk an dich und geh dabei vor die Hunde
Nichts Übrig
Nach all dem Schreien
Nach all dem Weinen
Dem die Gesichter verfielen
Nach all der Zeit für gebrochene Eitelkeit
Verblassen Wunden und Schwielen
Sich jetzt zu sehen scheint nicht undenkbarste Option
Verheilte Narben dienen uns als Legitimation
Und so tief ich auch wühl‘ so oft ich auch such‘
Bleibt nichts übrig und das bei dem jämmerlichen Versuch
Ein kleines bisschen zu winseln aus Frust zum Trost – doch es reicht nicht
Für ein weiteres schmerzerfülltes Gedicht
Leiden ist schön
Melancholie zieht an
Doch dir gegenüber zu stehen entfesselt mich von jedem bittersüßen Bann
Nichts sorgt für Aufmerksamkeit nichts macht uns attraktiv
Wirken mehr wie Fremde was ging hier eigentlich schief
So tief ich auch wühl‘ so oft ich auch such‘
Bleibt nichts übrig und das bei dem jämmerlichen Versuch
Ein kleines bisschen zu winseln aus Frust zum Trost doch es reicht nicht
Für ein weiteres wutentbranntes Gedicht
Doch warum kann ich nicht schweigen sondern schrei weiter hinaus
Will ich dir den Schluss beweisen und reiß wieder auf
Und geh nicht einfach nach Haus
Schwärze Zeilen ständig und formulier sie neu
Weil ich jeden alleinigen Heimweg viel zu sehr bereu
Ich weiß es interessiert dich nicht
Doch hier ist dein Gedicht
Obsonur
Sommer und Eitelkeit fallen in die Stadt
Laufen Hand in Hand Einkaufspassagen ab
Es ist Eiszeit – Hitzefrei für Humanität
Pflegen Profile besser als die Realität
Was nützen Denkmäler wenn man sie nicht anschaut
Wenn man nur noch weiß was man selber glaubt
Wir haben den Farbfilm vergessen alles tönt sich schwarz-weiß
Und weiter wächst die Dringlichkeit
Und jedes weitere Mal ist alles Obsonur
Jeder Glanz jeder Schimmer aufgetragene Politur
Jedes fallende Wort jeder gesprochene Satz
Kein Mehrzweck es hält der Lücke den Platz
Es lässt der Stille kein Platz
Darstellen und Gestalten
Nichts beschreibt uns besser
In unsicheren Zeiten werden sie schärfer die Messer
Ängste sind diffus und jede Träne wird verwischt
Malerische Fassaden überdecken auch den tiefsten Riss