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Frachter Bandfotos ©fotobert

FRACHTER sind zurück – mit ihrem zweiten Album »Es wird gleich besser«. Dabei baut das Dreigespann seine undogmatische Lesart von Emopunk aus und versucht es allen Widrigkeiten zum Trotz mit Wut und einem Quäntchen Optimismus. Klimakrise, ein röchelnder Neoliberalismus sowie der bis vor die Haustür um sich greifende Rechtsruck – nützt ja nichts: »Es wird gleich besser«, ab Mai 2026.


In einer Zeit der Überforderung haben FRACHTER ein ebenso überfordertes Album geschrieben. Die Jahre seit ihrem Debüt »Bad Sterben« (2023) waren so aufregend wie anstrengend, nachdem sich die Band durch AZs und Clubs wie die Groovestation (Dresden) oder die Astra Stube (rip!) in Hamburg quer durch Deutschland, Österreich und Tschechien gespielt hat. Man könnte beinahe sagen, die drei Weimarer sind in dieser Zeit erwachsen geworden. Wo sich das Erstlingswerk noch retrospektiv an der eigenen, provinziellen Sozialisation abarbeitete, steht »Es wird gleich besser« im Hier und Jetzt. So pendeln sich die 11 1⁄2 Songs thematisch zwischen politischer Dauerkrise, Verlust und Selbstfürsorge ein, ohne dabei in individualistische Phrasendrescherei zu kippen.

Dieser eigenwillige Sprachsound verschanzt sich – gespickt mit zahlreichen Referenzen – zwischen nebulöser Sperrigkeit und pointierter Parole. Im zackigen »Dolomiti« klingt das wie folgt: »Sag mir, wie schützt du dich selbst – tu‘ dir den Gefallen und spiel‘ bloß nicht den Held«. »Umarella« widmet sich der Beziehung und dem Emanzipationsgrad der eigenen Großeltern. Und im Closer und Quasi- Titeltrack »Gleich wird es besser« kombiniert man Grauzone und Oasis zur ultimativen Hymne kollektiver Handlungsmacht. Aaron (Gesang, Gitarre), Philipp (Schlagzeug) und Dome (Bass) sind letztlich immer noch eine Band, die genau dieses Beziehungsgefüge zu nutzen weiß.

Man hört der Platte an, dass sie die Verbindung der drei Musiker zelebriert und sich dafür im wahrsten Sinne Raum nimmt. Gemeinsam mit Produzent und Musiker Tobias Schiedt vom Leipziger Sifter Collective aufgenommen, klingt „Es wird gleich besser“ groß, energetisch, druckvoll und liefert trotzdem eine raue D.I.Y Kante, die die Lebendig- und Vielschichtigkeit der Songs unterstreicht. Das Mastering von Flo Siller tut dabei sein Übriges. Zwischen wabernden Verzerrungen, halllastigem Gaze und schnellen Stakkato-Riffs schafft sich die Band eine ganz eigene Mixtur ihrer musikalischen Vorlieben. Das Schlagzeug knallt – vermutlich noch doller als je zuvor. Der wuchtige Bass macht jede zweite Gitarre überflüssig und bildet das ideale Bindeglied zum breiten und vielschichtigen Gitarrensound. Die Bandbreite reicht dabei vom nicht mal zweiminütigen Punkschrubber »Muskelgedächtnis« bis zum Emo-Koloss »Slalom«. So ausladend und eindringlich klangen FRACHTER noch nie.

»Es wird gleich besser« erscheint im Mai 2026 bei Gunner Records.